Herr Asisi Sie haben für Ihr Panorama den Amazonas ausgewählt Was reizt Sie gerade an dieser Landschaft Yadegar Asisi Ich bin fasziniert von der Schön heit der Natur und ihren Kreisläufen Bei AMA ZONIEN wollte ich die Komplexität des Ökosys tems in diesem riesigen Naturraum zeigen Es gibt zahllose Bücher und noch mehr Filme darüber aber das Panorama bietet eine ganz andere Pers pektive und neue Erfahrungshorizonte Durch die Form des Panoramas sieht man Naturräume in einem völlig neuen Blickwinkel Dabei fügt sich AMAZONIEN nahtlos ein in die Reihe meiner an deren Naturpanoramen wie GREAT BARRIER REEF und EVEREST In all meinen Naturpanora men suche ich immer nach der Möglichkeit Räume zu verdichten um sie erfahrbar zu machen Aller dings tue ich das mit zum Teil sehr unterschiedli chen Mitteln In AMAZONIEN habe ich Dinge zusammengepackt die sich eigentlich nicht am sel ben Ort befinden Es ist ein schwieriges Unterfan gen diesen Naturraum in den Deutschland zwan zigmal passen würde in einem Panorama abzudecken Sie waren für Ihre Panoramen im Vorfeld immer auch vor Ort Wie sahen die Vorbe reitungen für AMAZONIEN aus Y A Der Leipziger Botanik Professor Wilfried Morawetz hatte mich 2004 gebeten für ihn die künstlerische Gestaltung seiner Ausstellung Süd seeträume und Pflanzenjäger in Weimar zu über nehmen Bereits dafür habe ich Halbschalen ge macht also Teilpanoramen die noch etwas verdecken Etwa ein Jahr später die Pflanzenjä ger Ausstellung war längst Geschichte habe ich ihn angerufen und gefragt ob er mitmachen würde bei der Erarbeitung eines Panoramas zum Dschun gel so nannte ich das damals noch Morawetz sagte sofort zu und hatte auch sehr viele Ideen Als ich dann 2007 anfangen wollte ist er leider ver storben Nach seinem Tod wusste ich erst nicht was ich machen sollte Dann habe ich mich an sei nen Kollegen Dr Dietmar Sattler gewandt der mir die Biologen Prof Ana Maria Benko Iseppon und Prof Fátima Conceição Marques Piña Rodrigues in Manaus empfohlen hat Vor Ort bin ich herumge reist und habe mir viel zeigen lassen insgesamt war ich viermal in Amazonien Welches ist für Sie die größte Herausforde rung bei der Realisierung von AMAZONI EN gewesen Y A Am Anfang habe ich in Brasilien nur ge schaut ob das Konzept das ich im Kopf hatte überhaupt realisierbar ist Schnell wurde mir klar dass ich diese Herausforderung annehmen möchte Was ich hier mache ist eine Verdichtung Die Ver dichtung einer Erfahrung Meine Panoramen sind ein subjektiver Blick auf etwas das ich erlebt habe und kaum mit einer realen Situation vergleichbar Ich habe versucht Amazonien so zu kreieren dass ich alle möglichen Wuchsformen dieses riesigen Naturraums so nebeneinander arrangiere dass man sie nicht in Frage stellt Ihr 360 Grad Kunstwerk komponieren Sie aus Fotografie Zeichnung und Malerei Wie viel künstlerische Handarbeit steckt darin wie viel findet am Computer statt Y A Wenn man mich arbeiten sieht merkt man dass ich in der Bewegung wie ein Maler arbeite Ich zeichne eigentlich Dass ich ein Computerpro gramm nutze welches mir das erleichtert ist nur gut Aber die Grundlage dessen dass ich so arbeite wie ich arbeite bleibt das Handwerk des Zeichnens Für mich ist Photoshop ein neuer Pinsel Ich mische mir damit Farben oder ich hole Farben aus dem Bild heraus und setzte sie woandershin Ich verän dere Strukturen Alles was Sie zum Beispiel an Licht sehen ist hineingemalt Ich sage hineinge malt obwohl ich das in Photoshop mache denn das kommt eigentlich aus der Malerei Das Tolle an diesen Computerpinseln ist dass ich besser aus probieren kann Deshalb sage ich dass der Prozess malerisch ist Ich nenne das Malen mit neuen Mit teln Diese neuen Möglichkeiten erlauben mir mich von der Materialschlacht des 19 Jahrhunderts zu befreien und mich mehr den Themen zuzuwenden Sie zeigen in Ihrem Panorama keinen be stimmten Ort am Amazonas sondern eine idealtypische Landschaft Wie schaffen Sie es dass diese künstlich erschaffene Welt dennoch so natürlich wirkt Y A Ich muss den Raum zeichnerisch vordenken dann suche ich Elemente die in der Perspektive und im Licht im Panorama zusammenpassen Sie sind idealerweise sinngemäß Bei AMAZONIEN hat mich Dr Dietmar Sattler beraten Den idealty pischen Raum den ich im Amazonien Panorama baue wird es höchstwahrscheinlich nicht geben Irgendetwas steht immer im Weg Meist sind es gigantische Baumstämme die einem 90 Prozent der Sicht auf alles dahinter nehmen Um die Kom plexität und Vielfalt dieser Natur darzustellen konnte ich nur komprimieren Deshalb ist das Bild das Sie am Ende sehen eine malerische Erfindung Es geht nicht um ein Abbild der Realität oder die Inhalte für ein Lehrbuch sondern um eine künstle rische Interpretation und da fühle ich mich sehr in der Tradition der Landschaftsmalerei Wie bei ei nem Romancier nehme ich Facetten eines Themas um etwas Archetypisches oder einen Aspekt neu zu beschreiben Die ideale Landschaft gibt es nicht es ist eine subjektive Annäherung an das was ich ge sehen habe Ich gehe immer davon aus dass ich mir erstmal eine Landschaft inklusive des benötigten Standorts selbst kreiere und mache mich dann auf den Weg So war es auch bei AMAZONIEN Dazu kommt das Mitdenken des Standorts Das ist das A und O eines Panoramas Die Bestimmung des Standorts dauert manchmal verhältnismäßig lang weil der Standort später die gesamte Geschichte übernimmt mit allen sich daraus ergebenden Ach sen und Sichtpunkten Ich weiß dass die geschaffe ne Landschaft am Ende für all das steht das ich gesehen habe Mit Ihren einzigartigen Panoramen brin gen Sie die Menschen zum Staunen und zum Eintauchen in eine andere Welt Wel che tiefere Message steckt dahinter Y A Wenn die Leute mit Fragen herausgehen dann hat sich die ganze Arbeit gelohnt Ich gebe ja keine Antworten in meinen Panoramen ich zeige etwas Mehr kann ich gar nicht machen Wenn man die Gästebücher an anderen Panorama Standorten liest findet sich da alles was man sich vorstellen kann von Rührung bis Mahnung Das macht mich sehr froh denn es ist genau was ich bei den Besuchern erreichen möchte Emotionen 3 7 2 7 3

Vorschau stylus Ausgabe 03_2017 Seite 73
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